Mein Dankesbrief zum Ende der SWö-KV Verhandlungen

Lieber ÖGB, liebe GPA, liebe vida,

vielen Dank für euer großartiges Bemühen und euren tollen Kampf bei den KV-Verhandlungen, damit wir bessere Arbeitsbedingungen und einen höheren Lohn erhalten. Wir sind ja nur kleine Würmer, die alleine gar nichts bewirken können. Ohne euch würden wir keine Lohnerhöhung bekommen. Mit euch erleben wir immer noch einen Reallohnverlust. Danke! Danke! Danke!

Vielen Dank auch dafür, dass ihr der Arbeitgeber*innenseite die verlangte Planungssicherheit mit dem Abschluss für zwei Jahre gebt. Ich brauche die ja eh nicht. Für mich ist es vollkommen okay, zwei Wochen vor Monatsbeginn einen Dienstplan zu bekommen – der dann eh nicht hält. „Du, xy ist krank geworden. Und da wir unterbesetzt sind, bist du die einzige Person, die noch einspringen kann. Hast du heute Abend Zeit?“

Es ist klar, dass die Arbeitgeber*innen Planungssicherheit brauchen. Schließlich sorgen sie für die Arbeitsplätze. Ich hingegen lebe nur für die Arbeit. Jede freie Minute warte ich darauf, angerufen zu werden und einspringen zu können. In meinem Leben kann es nichts Schöneres als Arbeit geben.

Vielen Dank, lieber ÖGB, liebe GPA, liebe vida, danke, dass ihr an die Sicherung meines Arbeitsplatzes denkt. Mit diesem tollen Abschluss bleiben sicher viele Arbeitsplätze erhalten. Ich litt wohl unter Halluzinationen, als ich neulich bei nur einer Trägerorganisation alleine in Niederösterreich mehr als 500 freie Stellen sah. Das kann nur ein Versehen gewesen sein. Denn das Problem ist ja bekanntlich ein Mangel an Arbeitsplätzen und nicht der Arbeitskräftemangel.

Denn, hey, hier ist ja alles wunderbar. Die Arbeit ist nicht schwer. Sie ist gut bezahlt. Man darf sogar am Wochenende und in der Nacht arbeiten. Die Strukturen sind super transparent, und die Vorgaben, die von oben kommen, sind immer nachvollziehbar. Das bisschen Bürokratie nervt zwar, ist aber notwendig. Eben, weil alles so toll ist, gibt es auch einen Arbeitskräftemangel. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Lieber ÖGB, liebe GPA, liebe vida,

vielen Dank für die Wertschätzung, die ihr mir und uns mit diesem Abschluss entgegenbringt. Für unser Engagement in den vergangenen und gegenwärtigen Krisen. Wir haben da ja schon viel Erfahrung damit. Bei der Flüchtlingskrise, die eigentlich eine Krise der Hilfsbereitschaft war, wurden schnell Heime aufgesperrt. Da wurde unsere Hilfe gebraucht. Die Dienste waren lang, chaotisch und unkalkulierbar in jenem Chaos des Herbstes 2015. Ohne unser Herzblut und unser Improvisationstalent hätte das nicht geklappt. Doch ebenso schnell, wie sie geöffnet wurden, wurden sie auch wieder geschlossen. Und wir konnten schauen, wo wir bleiben.

Das Ganze wiederholte sich im Frühling 2020 in der Corona-Krise. Nur, dass wir dabei auch unsere Gesundheit aufs Spiel setzten. Aber immerhin wurde für uns applaudiert.

Und jetzt, in der Budgetkrise, müssen wir wieder ran. Auf einen Teil unseres Lohnes zu verzichten, um den Staatshaushalt zu sanieren. Aber das ist schon okay. Immerhin geht das Wohl des Staates über unser privates Wohlergehen.

Lieber ÖGB, liebe GPA, liebe vida,

ich muss euch enttäuschen. Dieser Brief ist gar nicht für euch. Denn was soll ich für euch noch übrig haben außer Zynismus und Spott? Mit jedem neuen Abschluss beweist ihr, wie überflüssig ihr seid. Nur leider gibt es Gesetze, laut denen ihr meine Arbeitsbedingungen und meinen Lohn mitbestimmen dürft.

Dieser Brief richtet sich an euch, liebe Kolleginnen, die ihr auch im Sozialbereich arbeitet. Ich weiß, viele von euch sind enttäuscht. Viele können den zynischen Ton, den ich bisher angeschlagen habe, gut verstehen. Doch die Frage, die sich hier am Ende der KV-Verhandlungen einmal mehr stellt, ist: Wollen wir wirklich zulassen, dass wir so verarscht werden? Was können wir als einfache Hacklerinnen tun, damit diese Verarsche aufhört?

Ich weiß, viele von euch sind desillusioniert. Vor allem die schärfsten Gegner*innen dieses alljährlichen KV-Schmierentheaters sehen keine Handlungsmacht und ziehen es deswegen vor, von der Seitenlinie ihren Ärger kundzutun.

Ich wünschte, ich hätte eine einfache Antwort darauf. Die habe ich aber nicht. Ich weiß nur, dass es wichtig ist, dass wir an der Basis miteinander reden. Ich weiß nur, dass es wichtig ist, die Macht dieser gelben Gewerkschaften herauszufordern. Wie auch immer das ausschaut.

Deswegen finde ich es wichtig, die Basisinitiativen zu unterstützen. Und dort, wo es noch keine gibt, zu versuchen, selbst welche zu gründen. In der Hoffnung, dass sich so langsam Alternativen entwickeln. Wir brauchen sie dringend.

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